Interview mit Franz-Josef Morhaus

Neuenkirchener Bankchef: Sparen nach wie vor sinnvoll

28. Oktober 2016 / Altkreis Bersenbrück / cg

Der Weltspartag hat trotz Niedrigzinsphase nach wie vor seine Berechtigung. „Der Gedanke, Geld zu sparen, ist heute so aktuell wie damals. Wer spart, kann sich Wünsche erfüllen“, sagt Franz-Josef Morhaus, Vorstandsmitglied der VR-Bank im Altkreis Bersenbrück. Nicht nur die Genossenschaftsbank mit Sitz in Neuenkirchen, die im Altkreis Bersenbrück sieben Filialen betreibt, erwartet wieder viele Hundert Kinder, die am Schalter ihre Spardose leeren lassen wollen.

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Bildunterschrift:

Franz-Josef Morhaus, Vorstandsmitglied der VR-Bank im Altkreis Bersenbrück.

Foto: Christian Geers / Bersenbrücker Kreisblatt

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Das Interview im Wortlaut:

Herr Morhaus, können Sie sich noch erinnern, wofür Sie als Kind gespart haben?

Sicher. Für ein Tonbandgerät. Das war in den 1960er-Jahren, da habe ich Geld, das es zum Geburtstag oder an Ostern gab, dafür zurückgelegt. Ein Tonbandgerät war damals etwas Besonderes.

Wer hat Sie zum Sparen gebracht?

Das waren meine Eltern.

Und mit welchem Argument haben sie Sie überzeugt?

Der Standardspruch lautete damals: Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.

Würden Sie diesen Rat den Kindern von heute noch mit auf den Weg geben?

Grundsätzlich schon, obwohl es heute für das Sparbuch kaum noch Zinsen gibt. Aber der Gedanke, Geld zu sparen, ist heute so aktuell wie damals. Ganz gleich, ob es nun Zinsen gibt oder nicht: Jeder, der kontinuierlich einen gewissen Betrag zur Seite legt, kann sich davon Wünsche erfüllen oder hat für den Notfall Reserven. Wer nicht spart, muss später, wenn er sich etwas leisten möchte, zur Bank gehen und einen Kredit aufnehmen...

...das dürfte Ihnen als Vorstand einer Genossenschaftsbank, die davon ja auch lebt, doch recht sein...

Natürlich. Aber wenn jemand eine größere Investition plant, dann ist es von Vorteil, manchmal aber auch erforderlich, dass Eigenkapital vorhanden ist. Darauf lässt sich dann eine solide Kreditfinanzierung aufbauen. Also: Sparen lohnt sich.

Ist der Weltspartag denn noch zeitgemäß?

Ja. Es geht ja um den Grundgedanken des Sparens, aber dieser Tag ist natürlich auch eine Gelegenheit, Kinder auf spielerische Weise an das Bankgeschäft und den Geldkreislauf heranzuführen. Der Stellenwert des Weltspartages mag gesunken sein, aber in unseren sieben Filialen ist es heute noch so, dass Kinder mit ihren Eltern oder Großeltern an diesem Tag zu uns kommen, um die Spardose leeren zulassen. Wir richten dafür wieder eigens einen Sonderschalter ein. 2015 sind etwa 1000 Kinder mit ihren Spardosen zu uns gekommen. Und die bekommen dann – je nach Alter – ein Geschenk. Das Kuscheltier ist natürlich der Klassiker. Und dann gibt es jedes Jahr noch das Preisausschreiben mit sehr schönen Preisen.

Untersuchungen wollen herausgefunden haben, dass die Generation Y – also die 14- bis 29-Jährigen – kein Interesse am Sparen haben, sie gibt ihr Geld lieber aus...

Das kann man so pauschal nicht sagen. Mit dem „Jugendmarkt“ hat unsere Bank die jungen Kunden ziemlich genau im Blick. Darum kümmern sich unsere jungen Mitarbeiter. Die organisieren den Weltspartag, entwickeln aber auch Angebote wie das Taschengeldkonto, das Jugend-Sparbuch oder das Führerscheinkonto. Da gibt es bis zu einem bestimmten Betrag einen lukrativen Zins – ohne eine Null vor dem Komma.

Die klassische Art, Neukunden zu werben...

Genau. Das nehmen viele Kinder und Jugendliche in Anspruch, die damit auch mit dem Bankgeschäft vertraut gemacht werden. Sie lernen, mit dem zur Verfügung stehenden Geld zu haushalten. Wir haben so auch die Chance, diese jungen Kunden von den Mehrwerten und Vorzügen einer Bank vor Ort zu überzeugen, die eine Direktbank nicht besitzt.

Verraten Sie uns noch, wie die Kunden der VR-Bank sparen?

Das Sparbuch gibt es zwar noch, hat aber an Stellenwert verloren. Im Moment werden Investmentsparpläne gut nachgefragt. Sehr beliebt sind hier Immobiliensparpläne.

Zur Person

Franz-Josef Morhaus (63) ist Vorstandsmitglied der VR-Bank im Altkreis Bersenbrück mit Sitz in Neuenkirchen. Der Grafelder begann seine Ausbildung am 1. Juli 1970 in der damaligen Raiffeisenbank Grafeld. Er blickt auf 46 Jahre im Bankgeschäft zurück und ist hier mittlerweile 38 Jahre im Vorstand der Genossenschaftsbank tätig. cg