Streit bei Mitgliederversammlung

Emsländer verlassen Aufsichtsrat der VR-Bank im Altkreis Bersenbrück

14. November 2017 / Eggermühlen / jp

Die Raiffeisenagrar ist eigentlich ein Zweigbetrieb der VR-Bank im Altkreis Bersenbrück. Während der Mitgliederversammlung im Saal Böhmann in Eggermühlen erhitzte jedoch hauptsächlich eine Personalentscheidung in Sachen Geschäftsführung des Agrarhandels lange die Gemüter.

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Bildunterschrift:

Mehr als 500 Besucher kamen zur Mitgliederversammlung der VR-Bank im Altkreis Bersenbrück in den Saal Böhmann, dabei stand der Zweigbetrieb Raiffeisenagrar im Mittelpunkt des Interesses.

Text und Foto: Josef Pohl

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Zahlen, Daten, Fakten – die vom Vorstand vorgestellte Geschäftsentwicklung rückte im Laufe der Zusammenkunft deutlich in den Hintergrund. Vielmehr stand eine Entscheidung des Vorstandes, den auch die Mehrheit des Aufsichtsrates mitgetragen hat, zur Debatte.

Heftige Kontroversen im Aufsichtsrat

Betroffenheit war auf den Gesichtern der Aufsichtsratsmitglieder aus dem Osnabrücker Land zu erkennen, als Leo Lügermann aus Langen erklärte, dass die emsländischen Mitglieder des Gremiums mit sofortiger Wirkung ihr Mandat niederlegen. Und auch Michael Wübbels (Gersten) gab für die Vertreter der früheren Raiffeisen-Warengenossenschaft Bawinkel-Freren die gleiche Entscheidung bekannt.

In einer gemeinsamen Stellungnahme ließen die emsländischen Aufsichtsratsmitglieder durchblicken, dass die vergangenen Monate von heftigen Kontroversen im Gremium, die weit über eine sachliche Auseinandersetzung hinausgingen, geprägt gewesen sei. Und hierbei ging es zumeist um die Differenzen zwischen den Geschäftsführern der Raiffeisenagrar in den vergangenen zwei Jahren und die Frage, wie diese behoben werden können.

Auswirkungen auf die Arbeit

„Es ist nicht alles Gold, was glänzt“, hatte Franz-Josef Morhaus als Vorstand der VR-Bank im Altkreis Bersenbrück in seinem Rückblick und in der Vorausschau den Mitgliedern dargelegt, dass es Probleme in der Führungsetage bei der Raiffeisenagrar gegeben habe. Dies habe auch erhebliche Auswirkungen auf die Mitarbeiterschaft gehabt. Auch nach Einschaltung eines externen Vermittlers habe sich keine Besserung ergeben, aber der Vorstand habe sich zu einer Neuorganisation im Warenbereich entschieden. So solle es in Zukunft eine Trennung vom landwirtschaftlichen Geschäft und dem Privatkundengeschäft geben.

„So nicht hinnehmen“

Die Geschäftsführerposition für den landwirtschaftlichen Bereich sei nach interner Ausschreibung an Günter Lonnemann vergeben worden. Ansgar Böker habe die ihm angebotene Position als Geschäftsführer für den Privatkundenbereich abgelehnt und sei von der Genossenschaft mit Wirkung vom 1. Juli 2017 freigestellt worden. Mittlerweile habe er eine andere Anstellung in einem genossenschaftlichen Unternehmen gefunden.

„Dies kann von uns nicht hingenommen werden“, so Leo Lügermann, denn Böker habe als Geschäftsführer der Warengenossenschaft Bawinkel-Freren erfolgreich die Standorte weiterentwickelt und gute Zahlen erwirtschaftet. Auch nach der Fusion mit der Raiffeisenagrar habe er gute Arbeit geleistet. „Er war unser Ansprechpartner, zu ihm haben wir volles Vertrauen“, bedauerte Lügermann, dass selbst eine Mitgliedereingabe aus dem Emsland die Freistellung nicht habe verhindern können. „Das Schlimmste, was sie machen können, ist, sie treffen keine Entscheidung“, verteidigte Aufsichtsratsvorsitzender Karl Hülsmann die mitgetragene Vorgehensweise.

5:11-Abstimmungen

Der Bawinkeler Ludger Gerling bedauerte, „dass wir den Kampf dieser beide Alphatiere nicht früh genug ernst genommen haben“. Er monierte aber, dass die Emsländer im Aufsichtsrat in letzter Zeit, nicht erst in den vergangenen vier Monaten, immer ein 5:11-Verhältnis erleben mussten. „Hier wir, da ihr“, wie es ein anderes emsländisches Aufsichtsratmitglied formulierte.

Schaden für Mitarbeiter

Es entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, bei der ein völliger personeller Neuanfang gefordert wurde. Ein anderes Mitglied regte an, durch das eigene Kaufverhalten dem Vorstand zu zeigen, was die Mitglieder von der Entscheidung halten. Dazu gab jedoch die Betriebsratsvorsitzende Silke Peters zu bedenken, dass damit eher den Mitarbeitern als dem Vorstand geschadet werde. Sie machte deutlich, dass die Mitglieder den Interessen der Genossenschaft verpflichtet seien.

99 Gegenstimmen bei Entlastung

Die Emsländer scheiterten mit ihrem Antrag auf geheime Abstimmung bei der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat. Aber auch bei der offenen Prozedur verweigerten 99 Mitglieder dem Vorstand die Entlastung, die aber insgesamt mehrheitlich erteilt wurde. Auch der Aufsichtsrat kam nicht ungeschoren davon, denn hier gab es 44 Gegenstimmen. 33-mal „Nein“ hieß es bei der Wiederwahl der Aufsichtsratmitglieder Karl Hülsmann, Richard Bergmann, Rudolf Uphaus und Laurenz Dohm.

Bericht im Bersenbrücker Kreisblatt